DIE BLUTEGELTHERAPIE

Die Menschen haben den grossen Nutzen und das breite Wirkspektrum von  Blutegeln bereits früh erkannt und setzen sie nachweislich seit ca. 3.000 Jahren als Heilmittel ein. Die Blutegeltherapie gehört zu den  sogenannten Ausleitungsverfahren.

Die Heilwirkung des Blutegels ist auf  seinen Speichel zurückzuführen. Annahmen gehen davon aus, dass es  zwischen 30 bis 100 Substanzen im Speichel gibt. Erforscht sind bis  heute die folgenden Inhaltsstoffe:

  • Hirudin - Blutgerinnungshemmer (Thrombinhemmstoff)
  • Eglin - Gerinnungs- und entzündungshemmend
  • Calin - Beeinflusst die Nachblutung
  • Bdelline - Gerinnungshemmer
  • Hyaluronidase - Abbau von Hyaluronsäure
  • Apyrase - Hemmung der Thrombozyten-Aggregation (Blutpfropfenbildung)

Blutegel Biss 2Die Blutegel werden an den Stellen angesetzt, an denen die Veränderungen  sichtbar sind, d.h. bei einem Leckekzem an der Pfote auf das Ekzem oder  in seinem Umfeld. Der Biss eines Egels fühlt sich in etwa so an, als  würde man in eine Brennnessel fassen. Dabei injiziert der Egel mit  seinem Speichel ein hochwirksames Gemisch an Stoffen, die über die  Blutbahnen im Körper verteilt werden. Nach einer Aufnahme von rund 15ml  Blut und einer Saugzeit von ca. 30 bis 60 Minuten fällt der Egel ab. Die Wirkung geht aber weiter, indem es nämlich zu einer erwünschten  Nachblutung kommt. Diese kann bis zu 12 Stunden dauern und sorgt für  eine Reinigung der Wunde. Daher darf die Nachblutung nicht unterbrochen  werden.

Die Blutegeltherapie hat gegenüber einer medikamentösen  Behandlung den Vorteil, dass die Organe Herz, Leber und Nieren nicht  zusätzlich belastet werden. Das Arzneimittelgesetz verbietet einen  mehrfachen Einsatz eines Blutegels. Daher kommen bei jeder Behandlung  neue Egel zum Einsatz.


Indikationen bei Tieren:Hirudo medicinalis
Abszesse, Arthrosen, Ataxien, Bänderzerrungen und -entzündungen, Bisswunden,  Euter- und Gesäugeentzündungen, Ekzeme, Furunkel, Gelenkgallen,  Gelenkentzündungen, Hämatome, Hüft- und Ellenbogengelenkdysplasien,  Hautveränderungen aller Art, Hufrehe/Klauenrehe, Hufrollenentzündungen,  Kreuzbandverletzungen, Kreuzverschlag, Leckekzeme, Muskelverspannungen  und Myalgien, Mauke, Narbengewebe, Nervenentzündungen, Ödeme,  Operationsnachsorge, Operationsnarben, Othämatom (Blutohr), Otitis Spat, Spondylosen, Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen


Kontraindikationen:
Anämie, arterielle Verschlussstörungen, Bluterkrankheit, blutgerinnungshemmende und blutverdünnende Medikamente, Blutgerinnungsstörungen, Diabetes  Mellitus, Erysipeln, Fieber,  Kachexie, Leukämie, Magengeschwüre,  Maligne Tumoren, Medikamente gegen Parasiten, quecksilberhaltige  Medikamente, Schmerzmittel (mit blutverdünnender Wirkung)


Nebenwirkungen:
Lokale Reaktion, Hämatome um die Bissstelle, Lymphknotenschwellung,  Narbenbildung, stärkere Nachblutung, Entzündungen, lokal begrenzte  allergische Reaktionen


Gelegentlich oder selten auftretende Nebenwirkungen:
Übermässige oder verlängerte Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Wundinfektionen  (durch Kratzen und Belecken), starker Blutdruckabfall, starke lokale  Entzündungen, Entzündungen der Lymphbahnen, systemische Infektionen mit  Sepsis


Falls nicht schon oben erwähnt, hier die Indikationen beim Menschen:
Venöse Stauungen bei Replantationen
Freie Lappentransplantationen
Lymphstauungen bei Mamma-Rekonstruktion
Blutergüsse (Hämatome)
Allgemein venöse Stauungen und Venenentzündung (Krampfadern)
Hämorrhoiden
Angiopathie bei Diabetes Mellitus (nicht insulinpflichtig)
Muskelverspannungen und Myalgien
Verstauchungen und Zerrungen
Tinnitus
Kopfschmerzen
Dysmenorrhoe (Regelschmerzen)
Furunkel, Karbunkel, Abszess
Angina pectoris
Apoplexie (Hirnschlag)
Herpes zoster (Gürtelrose)
Hypertonie (Bluthochdruck)


Gegenanzeigen beim Menschen:
Angeborene und erworbene Blutgerinnungsstörungen (Antikoagulation)
Arterielle Insuffizienzen und arterielle Stauungen bei Lappentransplantationen
Bekannte Allergien gegen das Sekret des Blutegels
Vorhandene Immunsupression (z.B. bei HIV/AIDS-Patienten)

 Blutegelkiefer